Werner Gitt

Mein Weg zu Gott

Im Folgenden möchte ich darlegen, wie Gott mich durch Jesus Christus gefunden hat, und an ausgewählten Stationen deutlich machen, welche Geschichte Gott mit mir gehabt hat und wie er in meinem Leben gewirkt, gerufen, geführt und gesegnet hat.

Kindheit und Jugend

Am 22. Februar 1937 wurde ich in Raineck/Kr. Ebenrode, Ostpreußen (heute zum russischen nördlichen Ostpreußen gehörig) auf dem elterlichen Bauernhof geboren. Bis zur Flucht erlebte ich eine schöne und unbeschwerte Kindheit in dem ländlich-bäuerlichen Umfeld. Als ich sieben Jahre alt war und gerade in die zweite Klasse der Dorfschule gekommen war, flüchteten wir im Oktober 1944 mit Pferd und Wagen von Raineck nach Peterswalde (Südostpreußen). Im Januar 1945 erreichte uns dort viel zu spät die Nachricht vom Einmarsch der Roten Armee. Von Haus zu Haus verbreitete der „Amtliche Bekanntmacher" die kurze und panikmachende Parole „Rette sich, wer kann!" Da ich mit hohem Fieber krank war, wurde mein Bett vom Wohnzimmer auf den Fluchtwagen verlegt. In aller Eile setzte sich nun erneut ein Treck mit Pferd und Wagen in Bewegung, der jedoch bald durch die Russen gestoppt wurde. Mein damals 15jähriger Bruder Fritz wurde direkt vom Wagen mitgenommen. Er ist nie wiedergekommen. Meine Mutter (Emma Gitt, geb. Girod) wurde bald danach in die Ukraine verschleppt und starb dort nach kurzer Zeit in den Armen einer Mitgefangenen. Diese Zeugin kehrte nach einigen Jahren nach Schwerin zurück und berichtete über die letzten Worte meiner Mutter: „Was wird nur aus meinem kleinen Werner werden?" (Nun weiß sie es!).

Mit zwei Tanten, meiner Cousine Rena und meinem Großvater erlebte ich im November 1945 die Vertreibung durch die Polen. Mein Großvater starb nach einer Übernachtung im Freien, noch bevor der 10tägige Transport von Osterode/Ostpr. in Viehwaggons begann. Wir gelangten nach einem Zwischenaufenthalt in Sanitz bei Rostock schließlich auf die Nordseeinsel Wyk auf Föhr.

Mein Vater war in französischer Gefangenschaft und wusste nichts von dem Schicksal seiner Familie. Die monatlich gewährten Briefbögen konnte er im Gegensatz zu den anderen Mitgefangenen nicht ausnutzen, weil nahezu alle unsere Verwandten aus Ostpreußen stammten. Die neuen Wohnorte von geflüchteten Verwandten kannte er nicht. Eines Nachts hat er im Lager einen Traum, in dem er einen weit entfernten Verwandten trifft, der schon vor dem Krieg im Rheinland wohnte. Als sie sich nach einem Gespräch nach jahrelangem Wiedersehen verabschieden, sagt dieser: „Hermann, besuch mich doch mal!" Mein Vater sagt im Traum zu: „Aber wo wohnst Du denn? Ich kenne doch Deine Anschrift nicht." Der Verwandte erklärt ihm deutlich: „Bochum, Dorstener Str. 134 a." Danach wacht mein Vater auf, zündet in der Nacht ein Licht an und schreibt die soeben im Traum erfahrene Adresse auf. Den wachgewordenen Kameraden im Schlafsaal erzählt er die sonderbare Traumgeschichte. Sie verlachen ihn, weil er es ernst nimmt und sogar beteuert, dass er gleich am folgenden Tage dorthin schreiben wolle. Der Antwortbrief bestätigt die Adresse als exakt richtig und über diesen entfernten Onkel kommt der Kontakt zu meiner Tante (Lina Riek, geb. Girod) nach Wyk auf Föhr zustande. Die Nachricht vom Leben meines Vaters machte mich überglücklich. Ich konnte es zunächst gar nicht fassen, dass ich nicht mehr Vollwaise war, sondern wieder einen Vater hatte. Als mein Vater dann 1947 aus französischer Gefangenschaft zurückkam, fand er mich dort als Rest der verschollenen Familie vor. Auf der Suche nach Arbeit gelangte er mit mir auf einen Bauernhof in Saaße, einem wendischen Runddorf in der Nähe Lüchows.

Bemerkenswert für jene Zeit war, dass Jungen aus dem Dorf mich zu einer Kinderstunde einluden. Ich konnte mir nichts unter einer Kinderstunde vorstellen und dachte, dort würden Märchen erzählt. So ging ich mit und erlebte die erste Stunde, die in dem einzigen Zimmer einer dort tätigen Gemeindeschwester stattfand. Schwester Erna erzählte mit großer Ausstrahlung jeden Sonntagmorgen eine biblische Geschichte. Sie betete und sang mit uns viele frohmachende Glaubenslieder. Ich merkte schon in der ersten Stunde, dass hier etwas geschah, was mit Märchen absolut nichts zu tun hatte. Von der Botschaft war ich persönlich berührt. Es hat mich alles sehr angesprochen, und so nahm ich von da an regelmäßig an diesen Kinderstunden teil.

Im folgenden Jahr heiratete mein Vater wieder, und ich zog bald zu seiner Frau ins Nachbardorf Jeetzel, während mein Vater mehrere Dörfer weiter in der Landwirtschaft tätig war. Meine Stiefmutter (Adelheid Gitt, geb. Lipowski) war mir sehr zugetan, obwohl sie bei den Bauern als Hausschneiderin hart arbeiten musste, um bei dem geringen Tageslohn von 3,- DM und freier Verpflegung durchzukommen. Sie war eine gläubige Katholikin, jedoch hat sie mich in meinem beeinflussbaren Alter nie zum Katholizismus überredet, was ich ihr heute noch dankbar anrechne. Ich besuchte nach wie vor regelmäßig – unabhängig von jeglicher Wetterlage – die Kinderstunden. Durch den treuen Dienst der Schwester Erna wurde in meinem Herzen das Samenkorn des Wortes Gottes gelegt, das eines Tages aufgehen sollte. Als mein Vater in Westfalen eine Arbeit in der Industrie fand, zogen wir 1950 nach Hohenlimburg um. Allerdings bot sich an jenem neuen Ort keine glaubensfördernde Gemeinschaft, sondern eher das Gegenteil. Der Religionsunterricht wirkte auf mich wegen seiner bibelkritischen Prägung derart, dass ich in Erinnerung an jene Kinderstunden immer wieder dachte: „Schade, dass die Geschichten der Bibel nicht so wahr sind, wie ich es bei Schwester Erna gelernt habe." Dennoch, der glimmende Docht, die Sehnsucht nach Wahrheit, war nie erloschen. Auch ein gelegentlicher Kirchenbesuch brachte mich in der Suche nach Gott nicht weiter, da die Predigten weitgehend unverbindlich waren und somit keine entscheidende Wende herbeizuführen vermochten.

Mein Weg zu Gott

Nach Abschluss des Studiums in Hannover mit anschließender Promotionszeit in Aachen fing ich im Oktober 1971 bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig als Leiter des Bereiches Datenverarbeitung (jetzt: Informationstechnologie) an. Meine damalige Situation lässt sich wie folgt charakterisieren: Beruflich hatte ich gute Erfolge erlebt. Die Diplomprüfung in zwei Fachrichtungen bestand ich mühelos mit „sehr gut", und die Doktorarbeit wurde mit „Auszeichnung" unter gleichzeitiger Verleihung der Borchers-Plakette der Technischen Hochschule Aachen bewertet. Nahtlos daran schloss sich eine leitende Stellung als Wissenschaftler an. 1966 hatte ich geheiratet, und mit unseren zwei Kindern waren wir eine glückliche Familie. Uns ging es rundum gut, denn wir kannten weder familiäre, gesundheitliche noch finanzielle Probleme. So würde manch einer denken, in solch einer Situation braucht man keinen Gott. Ich betone dies deswegen, weil ich immer wieder Zeugnisse von Menschen höre, die sich erst durch eine besondere persönliche Not für das Evangelium öffneten. Bei mir war es nicht so, denn Gottes Wege mit dem einzelnen sind so vielfältig, wie es Menschen auf dieser Erde gibt.

Im Herbst 1972 fanden in Braunschweig zwei unterschiedlich geartete Evangelisationen statt, die ich zusammen mit meiner Frau regelmäßig besuchte. Eine kleine christliche Gruppe evangelisierte in der zu unserer Wohngegend gehörenden Realschule (Sidonienschule). Es war eine einfallsreiche Methode, jedem Besucher eine Bibel und einen Rotstift auszuhändigen. Zentrale Aussagen der Bibel wurden unter aktiver Mitarbeit der Zuhörer erarbeitet und alle behandelten Bibelstellen sogleich farbig angestrichen. Nach Abschluss dieser unüblichen, aber doch effektiven Verkündigungswoche durften wir die Bibeln behalten. So hatten meine Frau und ich je eine eigene gleiche Bibel, und beim späteren Lesen stießen wir häufig auf Stellen, die bereits markiert waren und somit einen gewissen Vertrautheitsgrad vermittelten. Die andere Evangelisation fand nur kurze Zeit danach statt. Täglich kamen an die 2000 Personen in die Stadthalle Braunschweig. Hier standen thematisch eng gefasste, aber eindeutig auf Entscheidung ausgerichtete Botschaften im Mittelpunkt. Der Ruf zum Glauben, die Entscheidung für Jesus Christus erging allabendlich als deutlich formulierte Einladung. Bei der Predigt von Leo Janz nach Lukas 17,33-36 kam die Wahlentscheidung zwischen Rettung und Verlorensein so deutlich zum Ausdruck, dass ich der allgemeinen Aufforderung, nach vorne zu kommen, nach der Überwindung von „Furcht und Zittern" folgte. Auch meine Frau ging mit. Einzelgespräch und Gebet mit einem Seelsorgehelfer waren sehr hilfreich, um zur Gewissheit der Rettung zu kommen. Bemerkenswerterweise gehörten unsere beiden Gesprächspartner demselben Hauskreis an, in dem wir dann auch bald mit dabei waren. Weitere Verkündigungstage in Braunschweig folgten. An einigen Abenden sprach Pastor Heinrich Kemner in der überfüllten Martinikirche. Unvergesslich ist mir heute noch seine Predigt über die Tempelquelle nach Hesekiel 47. Durch seine vollmächtige Botschaft war ich derart angesprochen, dass ich sogleich beschloss, herauszubekommen, woher dieser originelle Mann kam. Den musste ich wieder hören! So führte mich der Weg bald nach Krelingen, dem idyllischen Heidedorf in der Nähe von Walsrode. Die folgenden Ahldener Jugendtage unter den Krehlinger Eichen, aber auch die Erweckungstage prägten entscheidend mein Glaubenswachstum. Auch die Bücher von Pastor Kemner gaben mir wichtige Anstöße und wirkten auf mich in starkem Maße ausrichtend.

Nach all diesen Ereignissen, die mich zu einem vertieften eigenen Bibelstudium führten, kam ich zu einer für mich einschneidenden Erfahrung: Die Bibel ist in ihrer Ganzheit Gottes Wort und trägt das absolute Siegel der Wahrheit. Dies war ein so stabiles Fundament, das sich in allen Situationen des Lebens und Denkens als äußerst tragfähig erwies. Das schlichte Vertrauen in Gottes Wort, das ich von den Kinderstunden her kannte, gewann ich nicht nur zurück, sondern es erfuhr eine solche Festigung, dass ich bereit war, dies auch bekennend weiter zu vermitteln. Dies geschah neben dem persönlichen Zeugnis zunächst hier und da in Bibelstunden, die ich in unserer Gemeinde hielt. Die Zugehörigkeit zu einer bibeltreuen Gemeinde und das persönliche Einbringen im Gemeindeleben habe ich als unbedingt notwendig erkannt, wenn wir verbindlich zu Christus gehören wollen.

Ich durfte Jesus als den Christus, den Sohn Gottes, den Retter aus meiner Verlorenheit erkennen. Er, der von Ewigkeit her war, kam von Gott, dem Vater, wurde Mensch und erlöste uns nach einem Plan, den sich kein Intellekt ausdenken konnte. Das Neue Testament offenbart uns, dass Gott durch diesen Jesus das ganze Universum ebenso wie diese Erde und alles Leben darauf erschuf. Es ist nichts ausgenommen, denn „alle Dinge sind durch dasselbe (= das Wort, der Logos = Jesus) gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist" (Johannes 1,3). Es ist nicht nur alles durch ihn, sondern auch zu ihm hin als Zielpunkt geschaffen (Kol 1,16).

Es gehört für mich zu den erhabensten Gedanken: Der Schöpfer und der Mann am Kreuz ist ein und dieselbe Person! Was hat diesen Herrn aller Herren und König aller Könige nur dazu bewogen, für mich ans Kreuz zu gehen? Mein Verstand kann dies nicht ausloten, aber Johannes 3,16 gibt mir die Antwort: Es ist seine grenzenlose Liebe, die alles für mich tat, damit ich nicht verlorengehe.

Bibel und Wissenschaft

Ein Themenkomplex der Bibel faszinierte mich immer wieder: Es war der Zusammenhang biblischer Aussagen mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen, und hier besonders die Frage nach der Schöpfung. Ich merkte, dass diese Schnittstelle zwischen Denken und Glauben für viele intellektuell geprägte Zeitgenossen den entscheidenden Prüfstein für den Glauben überhaupt darstellt. Ist die Evolutionstheorie wahr, dann kann der Schöpfungsbericht nicht gleichzeitig auch wahr sein. Ist aber der Schöpfungsbericht wahr, dann ist die Evolutionslehre einer der grundlegenden und damit verheerendsten Irrtümer der Weltgeschichte. Für die Beurteilung der Evolutionsidee fand ich aus der Sicht feststehender Sätze meines Fachgebietes – der Informatik – heraus: Dieses Modell ist nicht nur in einigen Details falsch, sondern schon im Grundansatz. Ein Kernpunkt des Lebens ist die in den Zellen enthaltene Information. Information ist aber kein materielles Phänomen, sondern eine durch Wille und Intelligenz zustande gekommene geistige Größe. Neue Information kann also nur durch einen kreativen Denkprozess entstehen, nicht aber durch Mutation oder Selektion. Genau das beschreibt auch die Bibel in vielfältigen Ausdrucksweisen wie z. B. in Sprüche 3,19: „Denn der Herr hat die Erde durch Weisheit gegründet und durch seinen Rat die Himmel bereitet."

4. Im Dienst Jesu: Als wir 1976 mit einer befreundeten Familie einen gemeinsamen Urlaub auf der Nordseeinsel Langeoog verbrachten, kamen wir in den Strandgesprächen mit einem Freund immer wieder auf Schöpfungsfragen zu sprechen. Er schlug vor, dass ich meine Gedanken einmal in seiner Gemeinde vortragen solle. So kam es 1977 zu einem ersten öffentlichen Vortrag. Ich war erstaunt, dass an jenem Abend, für den es außer der „Mund-zu-Mund-Propaganda" keine Werbung gab, so viele auswärtige Gäste kamen. Die Thematik brannte offenbar vielen auf der Seele. Dieser Vortrag löste weitere Anfragen aus. Im Laufe der folgenden Jahre gab es dann eine solche Ausweitung der Vortragsdienste im Lande, dass ich bald nur noch einen gewissen Anteil der Anfragen realisieren konnte.

Als ich eines Tages einen Aufsatz in einer christlichen Zeitschrift las, worin der Autor die Evolutionsidee mit dem biblischen Schöpfungszeugnis vermischte, veranlasste mich dies, dieser Version einen eigenen biblisch orientierten Artikel gegenüberzustellen. Der Aufsatz wurde jedoch abgelehnt, weil die Redaktion einen anderen „theologischen Standpunkt" vertrat. Daraufhin erschien er anderweitig zusammen mit dem Beitrag eines Koautors im Mai 1977 in Braunschweig. Die Broschüre hatte eine Auflage von 3000 Exemplaren. Bald danach trat ein Verlag mit der Bitte an uns heran, die Themen ausführlicher zu behandeln, um sie als Taschenbuch herauszubringen. Es erschien 1978 unter dem Titel „Schöpfung oder Evolution?". Diese Schrift brachte mich erstmals mit Wissenschaftlern in Verbindung, die ähnlich dachten. Kurz danach wurde die Studiengemeinschaft „Wort + Wissen" gegründet. Seit 1981 gehöre ich zum Leitungskreis dieses eingetragenen Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Wort Gottes in unserer Zeit zur Sprache zu bringen und darauf gründend, eine biblisch orientierte Wissenschaft zu betreiben. Die Lehren der Evolution haben das Denken in den verschiedensten Bereichen der Natur- und Geisteswissenschaften nachhaltig und nachteilig beeinflusst. Insbesondere den Intellektuellen ist dadurch der Zugang zur Bibel so erschwert worden, dass es not tut, ihnen Hilfestellungen zu geben. Bei genauerem Hinsehen lässt sich immer wieder zeigen, dass die vom Schöpfungszeugnis der Bibel ausgehenden Deutungen wissenschaftlicher Fakten der Realität viel besser gerecht werden als dies bei den Deutungsversuchen im Rahmen der Evolutionslehre der Fall ist. Über mehrere Jahre hinweg habe ich mich wissenschaftlich mit dem Informationsbegriff beschäftigt. Als Ergebnis konnte ich verschiedene Naturgesetze über Information formulieren. Diese „Naturgesetzliche Informationstheorie" habe ich an zahlreichen Universitäten des In- und Auslandes sowie auf wissenschaftlichen Kongressen vorgetragen.

1980 erschien mein zweites Taschenbuch „Logos oder Chaos", das – wie ich aufgrund vieler Rückmeldungen aus dem Leserkreis erfahren habe – vielen Suchenden zum Umdenken von der Evolution zum Schöpfungsgedanken hin verholfen hat. Die Nachfrage nach schriftlichen Unterlagen zu den Aussagen aus den Vorträgen riss nicht ab, und so begann ich neben der Vortragstätigkeit auch mit dem Schreiben von Büchern. Hätte man mir in meinen jungen Jahren gesagt, dass ich einmal Bücher schreiben würde, so hätte ich mir das überhaupt nicht vorstellen können. In meiner Schulzeit hatte ich eine tiefe Abneigung gegenüber Aufsätzen. Hätte ich damals wählen dürfen, dann hätte ich lieber zehn Mathematikarbeiten als nur einen Aufsatz geschrieben.

Im Laufe der Zeit griff ich verschiedene Fragenkomplexe auf, auf die ich nach Vorträgen immer wieder stieß und die mir wichtig erschienen. Im Rahmen von Taschenbüchern habe ich diese Gedanken nach und nach bearbeitet. Dass man der Bibel in all ihren Aussagebereichen wirklich vertrauen kann, ist in „So steht's geschrieben" (1985) ausführlich dargelegt. In dem Buch „Das biblische Zeugnis der Schöpfung" (1983) wird insbesonders darauf eingegangen, dass alle Aussagen zur Schöpfung auch im Blickpunkt moderner wissenschaftlicher Fakten vertrauenswürdig sind. In unterhaltsamer und leicht verständlicher, aber wissenschaftlich begründeter Weise geht das Taschenbuch „Wenn Tiere reden könnten" (1990) auch auf die Schöpfung ein. Dabei wird auf die vielen genialen konstruktiven Details im Tierreich hingewiesen, die nicht nur zum Staunen, sondern auch zum Glauben herausfordern. Die oft gestellte Frage, ob die vielen Religionen andere Heilswege neben dem Evangelium darstellen, wird in dem Buch „Und die anderen Religionen?" (1991) in biblischer Analyse bearbeitet. Die dazu erforderliche nähere Betrachtung des Evangeliums lässt gerade dieses Buch zu einem evangelistischen Buch werden. Wie mir immer wieder gesagt wird, sind Bücher, die wissenschaftliche Fakten mit der biblischen Botschaft verbinden, von Lesern sehr gefragt. Dies ist nach meiner Einschätzung wohl auch der Schwerpunkt meiner Literaturarbeit geworden. Die Taschenbücher „Signale aus dem All – Wozu gibt es Sterne?" (1993), „Am Anfang war die Information" (1994) und der Bildband „Faszination Mensch" (1996) liegen ebenfalls auf dieser Linie. Alle diese Schriften sind so angelegt, dass sie auf der Basis des vollen Vertrauens zur Bibel wissenschaftliches Material verarbeiten und mit eindeutigen evangelistischen Passagen für den Glauben an Jesus Christus werben.

Ein ganz anderes Tätigkeitsfeld tat sich für mich 1990 auf, als ich den Anruf eines mir bis dahin unbekannten Mannes erhielt. Er erklärte mir, dass er in der Sowjetunion geboren sei und auch dort studiert habe. Er ist Deutscher und beherrscht die russische Sprache in Wort und Schrift. Sein Anliegen: „Ich habe einige Bücher von Ihnen gelesen. Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie mit mir in die ehemalige Sowjetunion reisen und dort solche Vorträge halten? Ich würde die Übersetzung ins Russische übernehmen." Ich erbat mir Bedenkzeit. Bei einem späteren Anruf sagte ich zu. So ging die erste Reise nach Moskau, wo wir im Mai 1991 zehn Tage lang an verschiedenen Plätzen (z. B. Pädagogische Hochschule, Berufsschulen, Krankenhäuser, in einer Fabrik und auch in einer Kaserne) das Evangelium weitersagten. Gott schenkte offene Herzen für das Gesagte, und erstaunlich viele waren bereit, sich Jesus Christus in einer persönlichen Entscheidung hinzuwenden. Wer ist dieser Mann, mit dem Gott mich so zusammengebracht hat? Es ist Dr. Harry Tröster, der in seinem Alltag bei Mercedes Benz in der Entwicklung tätig ist. Inzwischen haben wir fast jährlich eine Missionsreise in den Osten ausgeführt. Unsere Wege führten uns ein weiteres Mal nach Moskau, aber auch nach Kasachstan und Kirgisien und in das (heute russische) nördliche Ostpreußen. Diese Reisen in den Osten unternehmen wir nie alleine, sondern zusammen mit einer inzwischen bewährten Mannschaft. Bei allen Einsätzen wurden große Stückzahlen an evangelistischen Büchern eingesetzt, die zuvor per LKW dorthin gebracht wurden. Natürlich gehörten auch Neue Testamente und Kinderbibeln zu jeder Reise.

Von 1978 bis Mitte der neunziger Jahre habe ich jährlich einen missionarischen Zelteinsatz durchgeführt. Nienhagen, ein Dorf in der Nähe von Celle, war mein erster Einsatzort. Einige andere Orte waren u. a. Detmold, Köln, Schorndorf, Frankfurt/Oder, Greifswald, Zerbst und Zwickau. Im Sommer 1978 hatte ich meinen ersten Zeltdienst als Evangelist in Nienhagen. Bemerkenswerterweise fällt dieses Jahr zusammen mit meiner Ernennung zum Direktor und Professor. Sollte das nur ein Zufall sein? In Matthäus 6,33 sagt Jesus: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen."

1991 wird mir unvergesslich in Erinnerung bleiben, weil ich neun Tage lang im Großen Saal der Stadthalle Braunschweig das Evangelium verkündigte. An der Stelle, wo ich 1972 selbst eine Entscheidung für Christus getroffen hatte, konnte ich nun andere Menschen in die Nachfolge Jesu rufen. Einladungen zu mehrtägi­gen evangelistischen Einsätzen in Stadthallen, öffentlichen Gebäuden oder Gemeindezentren habe ich im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten immer wieder angenommen.

Rückblickend staune ich, wie man als Wissenschaftler zum Autor christlicher Bücher und Verkündiger wird, ohne dies je gewollt oder geahnt zu haben. Wenn ich die Führungen Gottes in meinem Leben zu deuten versuche, dann gewinnt ein Satz, den der bekannte Pfarrer und Evangelist Heinrich Kemner geprägt hat, für mich persönliche Bedeutung: „Wir schieben nicht, wir werden geschoben." So tut es Gott: Er stellt uns in besondere Situationen hinein. Wenn er Türen öffnet, dann soll man sie durchschreiten, denn nur was er vorbereitet hat, steht unter seinem Segen.

Werner Gitt

Aus „Fragen, die immer wieder gestellt werden“ von Prof. Dr.-Ing. Werner Gitt. Christliche Literatur-Verbreitung (CLV), 33661 Bielefeld. Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

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